Masken, Figuren und rätselhafte Wesen

Ausstellungstext Dashdemed Sampils - Masks
Text: Jessica Boladz Photos: David Rasche
Über alle Medien hinweg bleibt Sampils charakteristische Auseinandersetzung mit Figur, Form und Wahrnehmung spürbar.
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Masken, Figuren und rätselhafte Wesen bestimmen die Bildwelt von Dashdemed Sampil. Gesichter und Körper treten hervor, verändern sich und lösen sich wieder auf. Manche seiner Gestalten erscheinen unmittelbar präsent, andere sind kaum noch als Figuren zu erkennen. Sie bewegen sich zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen körperlicher Erscheinung und Zeichen, ohne sich auf eine eindeutige Bedeutung festlegen zu lassen.

Die Ausstellung „Masks“ in der Lounge des Hotel Karl August versammelt Gemälde, Reliefbilder, Textilarbeiten und digitale Arbeiten. Über die unterschiedlichen Medien hinweg begegnet uns eine charakteristische Formenwelt. Köpfe, Augen, Münder und Körper werden angedeutet, überlagert, zerlegt und neu zusammengesetzt. Sampil führt die Figur immer wieder bis an die Grenze ihrer Erkennbarkeit. Dabei geht es weniger um eine festgelegte Symbolik oder Erzählung als um die Möglichkeiten des Bildes selbst: um Farbe und Form, Fläche und Raum und um die Frage, wie aus ihnen eine Figur entstehen kann.

Dieser offene Prozess prägt Sampils Malerei. Seine Bilder entwickeln sich in Schichten, werden überarbeitet, verändert und teilweise wieder freigelegt. Eine einmal gefundene Form muss dabei nicht endgültig sein. Selbst bereits ausgestellte Arbeiten können erneut zum Ausgangspunkt einer malerischen Veränderung werden. Das Bild bleibt ein Ort der Suche, an dem sich Figuren verdichten, verwandeln oder wieder verschwinden.

Besonders körperlich wird diese Arbeitsweise in den Reliefbildern, die Sampil seit 2015 aus mit Pigmenten versetzten Baumaterialien entwickelt. Die Masse wird aufgetragen, geschoben und geformt. Erhebungen, Vertiefungen, Brüche und raue Oberflächen entstehen. Das Bild gewinnt tatsächliches Gewicht und Volumen und tritt aus der Fläche in den Raum. Zugleich setzt das Material dem Künstler Widerstand entgegen: Die schnell härtende Masse verlangt unmittelbare Entscheidungen und verändert die Möglichkeiten des Malens. Die Figuren werden rudimentärer, ihre Formen verdichten sich und reichen bis ins Abstrakte.

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Auch in seinen Textilarbeiten überführt Sampil seine charakteristische Formensprache in ein anderes Material. Figuren und maskenhafte Formen werden auf textile Flächen übertragen, die in der Mongolei in Handarbeit gefertigt werden. Durch den Wechsel des Materials verändert sich auch die Wirkung der Motive: Die Formen erscheinen nicht mehr als plastische Erhebungen oder malerische Schichtungen, sondern verbinden sich mit einer weichen, textilen Oberfläche. So wird Sampils Formenwelt in einen weiteren handwerklichen und materiellen Zusammenhang überführt.

Einen Gegenpol zu dieser physischen Präsenz bilden Sampils digitale Arbeiten. Seit 2021 erweitert er seine künstlerische Praxis verstärkt in den digitalen Raum. Das Smartphone wird zum Arbeitsgerät, der Finger auf dem Display zum Zeichenwerkzeug. Digitale Bildbearbeitung, Filter, Pixelstrukturen und Fotomontagen erweitern das Repertoire. Die vertrauten Wesen tauchen auch hier auf, werden zerlegt, neu zusammengesetzt und in andere Bildzusammenhänge überführt. Die digitale Technik ersetzt dabei nicht den künstlerischen Prozess, sondern eröffnet ein weiteres Feld, in dem Sampil seine Formensprache erprobt und verändert.

So treffen in „Masks“ unterschiedliche Zustände des Bildes aufeinander: die Schichtung der Malerei, die massive Körperlichkeit des Reliefs, die textile Oberfläche und die immaterielle Erscheinung auf dem Bildschirm. Trotz ihrer unterschiedlichen Materialität stehen die Arbeiten miteinander in Verbindung. Formen und Motive wandern von einem Medium ins andere, werden aufgenommen, verändert und neu organisiert. Was bestehen bleibt, ist Sampils fortwährende Auseinandersetzung mit Figur, Form und Wahrnehmung.

In der Lounge des Hotel Karl August treten diese unterschiedlichen Bildwelten in einen Raum des Aufenthalts und der Begegnung. Abseits des klassischen Ausstellungsraums werden Sampils Figuren und Wesen zu Gegenübern im Alltag des Ortes. Malerei, Relief, Textil und digitales Bild behaupten dabei jeweils ihre eigene Präsenz und treten zugleich in einen Dialog miteinander.

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Dashdemed Sampil, 1971 in der Mongolei geboren, lebt und arbeitet in Nürnberg und Ulan Bator. Nach seinem Bachelor of Fine Arts an der Hochschule der Bildenden Künste in Ulan Bator studierte er von 2002 bis 2008 an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und wurde Meisterschüler von Prof. Peter Angermann. Seine Arbeiten waren unter anderem im Kunstverein Bamberg, im Neuen Museum Nürnberg und auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei zu sehen. 2009 erhielt er den Kunstförderpreis des Bayerischen Staatsministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst und war Stipendiat der Cité Internationale des Arts in Paris. Zuletzt zeigte er seine Arbeiten in einer Einzelausstellung in Ulan Bator.